Um zu sagen sozusagen

Ein Bekannter verwendete neulich 12 Mal das Wort “sozusagen”, als er mir von einem Ereignis im Rahmen seines Jobs berichtete. Ich habe mitgezählt, denn in letzter Zeit fällt mir auf, wie oft und repetetiv Menschen “sozusagen” zu sagen pflegen. Was wollen sie damit ausdrücken oder vielleicht sogar nicht sagen? Ein Blick in den Duden lehrt uns, dass dieses Adverb “ungefähr”, “quasi” bedeutet, es steht für “gleichsam” oder “wie man es ausdrücken könnte”. Hmm. Das hilft mir gerade auch nicht wirklich weiter herauszufinden, warum das Wort so populär im Gebrauch ist. Gegoogelt erhält man die Information, dass “sozusagen” verwendet wird, um auszudrücken, dass der verwendete Ausdruck nur ungefähr zutrifft.

Aha. Der Sprecher verwendet also einen Ausdruck, der nur ungefähr zutrifft. Das bedeutet im Umkehrschluss, der Sprecher will oder kann sich nicht genau ausdrücken. Er zieht es vor, vage zu bleiben. Das wiederum lässt darauf schließen, dass der Sprecher nicht genau weiß, wovon er redet und/oder der Sprache nicht mächtig genug ist, um präzise zu formulieren. Er versucht daher anhand eines Blähwortes von diesem Zustand abzulenken. Das kann auch eine Taktik sein. Dann ist es umso wichtiger, darauf zu achten, wo und wann dieses Adverb Verwendung findet.

Für einige mag “sozusagen” als Sprachverhunzung gelten. Andere merken es vielleicht gar nicht, dass es nichts aussagt oder haben schon abgeschaltet. In der geballten Häufigkeit ist die Anwendung dieser Vernebelungstaktik vor allem nervtötend, denn sie kostet den Zuhörer unnötig Zeit, und der Vortrag wird unverständlich.

Auf jeden Fall werde ich ab jetzt auch bei meinen eigenen Redebeiträgen darauf achten, dieses Blähwort möglichst zu vermeiden. Ich möchte ja nicht den Eindruck erwecken, dass ich – ich sag’ mal – nicht weiß, wovon ich rede…